ALSTER

Akademisches Lernen und Studienerfolg
in der Eingangsphase von naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen (ALSTER)

Zentrale Fragestellung

Im Projekt wird die Frage untersucht, welche Rolle Strategien des Ressourcenmanagements für ein erfolgreiches Studium spielen. Es wird überprüft, inwiefern Lernprobleme in der Studieneingangsphase auf Defizite beim Einsatz von Strategien des Ressourcenmanagements zurückzuführen sind und inwieweit die Verfügbarkeit und die Nutzung dieser Strategien den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften und Studienerfolg vermitteln.Das Projekt leistet einen wesentlichen Beitrag zur DFG-Forschergruppe ALSTER, indem es auf Lernstrategien fokussiert und untersucht, inwieweit die im Rahmenantrag beschriebene Verbindung zwischen Lernvoraussetzungen und Studienerfolg über Lernstrategien vermittelt wird und inwieweit der vermittelte Zusammenhang sich in den betrachteten Fächern unterschiedlich darstellt.

Theoretischer Hintergrund

Es gibt nur wenige Lernfelder, in denen die Freiheitsgrade zur Gestaltung des eigenen Lernens so offen gestaltet sind wie im Bereich der Hochschule. Akademisches Lernen unterscheidet sich somit maßgeblich vom Lernen an Schulen und stellt damit deutlich höhere Anforderungen an die Selbstregulation und die strategische Ausrichtung von Lernprozessen.

Während kognitive und metakognitive Strategien als Prädiktoren für schulischen und hochschulischen Lernerfolg hinreichend untersucht sind (für einen Überblick siehe z. B. Leutner & Leopold, 2003), nehmen in jüngeren Zeiten ressourcenbezogene Strategien in der Forschung eine zunehmend stärkere Rolle für die Vorhersage von Studienerfolg ein. Zwar zeigen Metaanalysen zur Vorhersage des Studienerfolgs, dass kognitive Lernvoraussetzungen noch immer die besten Prädiktoren für Studienleistungen und den Verbleib im Studienfach darstellen (z. B. Trapmann, Hell, Weigand & Schuler, 2007, zur Rolle von Schulnoten). Dennoch lassen sich auch substanzielle Korrelationen sogenannter nicht-kognitiver Variablen wie der Einsatz von Ressourcenmanagementstrategien oder Persönlichkeitsfaktoren mit Studienerfolg zeigen (z. B. DeFeyter, Caers, Vigna & Berings, 2012). Das Projekt fokussiert daher sowohl auf Ressourcenmanagementstrategien als auch auf Persönlichkeitsfaktoren.

Design

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden insgesamt drei Studien durchgeführt. Studie 1 identifizierte mittels Fokusdiskussionsgruppen Unterschiede in den Anforderungen an das selbstregulierte Lernen zwischen Schule und Hochschule sowie Bewältigungsstrategien, die Studierende kennen und nutzen, um diese Anforderungen zu bewältigen. Auf Grundlage der Ergebnisse wurde ein Situational-Judgement Instrument entwickelt und in Studie 2, im Rahmen der ALSTER-Pilotstudie, an einer Stichprobe von N = 198 Erstsemesterstudierenden der Fächer Bauingenieurswesen und Erziehungswissenschaft pilotiert und validiert. Das Instrument erlaubt es, neben Strategiewissen, auch qualitätsbezogene Defizite des Strategieeinsatzes (z. B. Verfügbarkeitsdefizite, Produktionsdefizite oder Nutzungsdefizite) in konkreten Studiensituationen simultan zu erfassen. In Studie 3 wurde das finale Instrument schließlich im Rahmen der ALSTER-Hauptstudie an einer Stichprobe von N = 378 Erstsemesterstudierenden der Fächer Bauingenieurswesen und Erziehungswissenschaft eingesetzt, um Hypothesen bezüglich der beiden zentralen Forschungsfragen zu prüfen.

Ergebnisse

Insgesamt konnten in Studie 1 60 unterschiedliche Ressourcenmanagement-Problemsituationen exploriert und für die Erstellung des neuen Instruments herangezogen werden. Eine erste, bereits reduzierte Version dieses Instruments zeigt eine sehr gute Reliabilität von α = .87. Analysen zur konvergenten- und diskriminanten Validität verweisen ergänzend auf eine zufriedenstellende Konstruktvalidität. So korrelieren konvergente Konstrukte wie die Subskala Ressourcenmanagement des LISTs  (r = .30, p < .01) oder die Skalen Zeitmanagement (r = .28, p < .01) und Prokrastination (r = -.41, p < .01) signifikant mit dem neuen Instrument. Diskriminante Variablen wie die kognitive Subskala Elaboration des LISTs korrelieren demgegenüber zu null (r = .06, p > .05). Bei Betrachtung der Kompetenzen Studierender im Bereich des Ressourcenmanagements zeigt sich, dass der größte Teil der Erstsemesterstudierenden im Ressourcenmanagement ein Verfügbarkeitsdefizit (44%) aufweist, das heißt, dass sie die als angemessen angesehenen Strategien nicht (er)kennen. Ein kleiner Teil der Studierenden fällt in die Kategorien Produktions- und Nutzungsdefizit (17%) und ein mittelgroßer Teil der Studierenden gibt an, kein Defizit im Ressourcenmanagement zu haben (39%). Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass Studierende des Fachs Bauingenieurwesen (M = .09; SD = .35) insgesamt signifikant schlechter abschneiden als Studierende des Fachs Erziehungswissenschaft (M = 1.06; SD = .37; t(198) = 2.90; p < .05; d = .45). Hinsichtlich der Frage nach der Bedeutung des Ressourcenmanagements für den Studienerfolg zeigen sich erste Hinweise darauf, dass Ressourcenmanagement, auch über kognitive Fähigkeiten und die Abiturnote hinaus, Klausurerfolg signifikant vorhersagen kann.

ALSTER wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Mehr Infos zu dem Projekt finden Sie hier: https://www.uni-due.de/alster/

 

 

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